The Adventure of the Circular Room

Erzählung (1946)

August Derleth ist in sherlockianischen Kreisen bekannt für seine Solar-Pons-Erzählungen, mit denen er über viele Jahre den Holmes-Kanon fortgeschrieben hat. Solar Pons, gemeinsam mit seinem Freund Dr. Lyndon Parker wohnhaft in der 7B Praed Street, löste seine Fälle überwiegend in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts. Doch tatsächlich lesen sich seine Abenteuer im Prinzip wie klassische Sherlock-Holmes-Abenteuer mit veränderten Namen und minimal modernisiertem Setting. Auch wenn das über 70 Erzählungen umfassende Pons-Oeuvre von Derleth nicht nur aus Höhepunkten der Pastiche-Kunst besteht, ist es doch sehr bedauerlich, dass nur eine Handvoll Pons-Storys bislang ins Deutsche übersetzt wurden.

Ebenfalls bis heute nicht übersetzt ist The Adventure of the Circular Room, bei dem es sich — zumindest in der Originalversion von 1946 — nicht um einen Pons-Fall, sondern um eine „richtige“ Sherlock-Holmes-Erzählung von August Derleth handelt. Sie erschien ursprünglich 1946 im Baker Street Journal und wurde vom Autor einige Jahre später für seinen Sammelband The Memoirs of Solar Pons in eine Solar-Pons-Geschichte gleichen Titels umgeschrieben.

Wir haben es hier mit einer Erzählung klassischen Formats zu tun, sowohl was Umfang und Ausgangslage betrifft. Eine Krankenschwester besucht Holmes und Watson, da sie den Verdacht hat, dass man ihrer Patientin übel mitspielt. Holmes teilt ihre Ansicht, reist zum Wohnort der Patientin und kann eine üble — und sehr aufwendige — Verschwörung enttarnen. In mancher Hinsicht erinnert The Circular Room an die kanonischen Holmes-Fälle The Speckled Band und The Copper Beeches, auch wenn die Aufklärung im vorliegenden Fall für meinen Geschmack etwas zu sehr ans Fantastische grenzt. (Das wiederum trifft man bei Pons des Öfteren an; schließlich ist Derleth als eine Art literarischer Nachlassverwalter von H. P. Lovecraft bekannt geworden.) Aber sprachlich und erzählerisch fühlt man sich doch stark an Watsons Schriften erinnert, sodass die Lektüre für Freunde von originalgetreuen Pastiches durchaus empfehlenswert ist.

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