Sherlock Holmes in Japan

Sachbuch (1998)

For the first time English language readers can explore Japan’s fascination with Sherlock Holmes. In this unique Sherlockian study, Keith Webb, the editor of The Dispatch Box, the only English language newsletter about Japanese Sherlockians, presents an insider’s look into the largest Sherlock Holmes movement in the world.

Sherlock Holmes in Japan traces Holmes’ first appearance in the Nihonjin magazine in 1894 all the way to present day Japan Sherlock Holmes Club events. You’ll read about humorous contextualized translations such as The Bald-Headed League, and the use of Japanese names for Holmes and Watson. You will be introduced to famous Japanese Sherlockians, and discover what made the Holmes stories one of the most coveted books by Japanese soldiers in W.W.II.

— Verlagstext

Für mich einer der faszinierendsten Aspekte an der Beschäftigung mit Sherlock Holmes ist dessen internationale Verbreitung. Weniger, weil das ein Gradmesser seines gewaltigen Erfolgs ist, sondern weil die Ausprägungen des Holmes-Mythos’ von Kultur zu Kultur sehr unterschiedlich sein können. Die meisten allgemeinen Bücher über Holmes oder über die Geschichte des Detektivromans fokussieren naturgemäß stark auf den angloamerikanischen Raum. Aber es lohnt immer sehr, sich die spezifische Holmes-Rezeption in anderen Ländern anzusehen.

Genau das tut Keith Webb in seinem Bändchen über Sherlock Holmes in Japan, wenn auch leider nicht mit dem Detailreichtum, den ich mir gewünscht hätte. Sein Buch ist grob in zwei Teile unterteilt. Im ersten berichtet er von der Sherlock-Holmes-Rezeption in Japan (angefangen bei den ersten Übersetzungen bis hin zur heutigen japanischen Holmes-Gesellschaft, die als eine der aktivsten weltweit gilt), im zweiten Teil werden alle Japan-Bezüge im Holmes-Canon ausführlich unter die Lupe genommen.

Mich interessiert hier vor allem der erste Teil und da insbesondere der historische Aspekt über die frühen Holmes-Ausgaben. Tatsächlich schien es den frühen japanischen Verlegern und Übersetzern notwendig, die großen kulturellen Unterschiede zwischen Großbritannien und Japan aufzulösen. Das geschah in Extremfällen, indem man die Handlung komplett aus England nach Japan verlegte und aus Holmes und Watson Japaner machte. Manchmal waren zumindest kleinere Anpassungen erforderlich: Da sich japanische Leser seinerzeit schwer vorstellen konnten, dass jemand eine andere Haarfarbe als schwarz haben könnte, wurde aus der Liga der Rotschöpfe kurzerhand eine Liga der Kahlköpfe.

Leider bleibt Webb in seiner Darstellung anekdotisch und knapp und ist dazu auch manchmal wertend, wenn er bestimmte Adaptionen, etwa für japanische Kinder, als schrecklich abtut. Gerne hätte man auch über diese Varianten mehr erfahren; ebenso hätte mich interessiert, ob (bzw. ggf. wann) die stärkeren kulturellen Anpassungen überwogen oder zeitgleich neben originalgetreueren Übersetzungen existierten. So bleibt Sherlock Holmes in Japan eine schöne Einführung in das Thema, die man aber gerne später einmal vertieft haben möchte. Einen ersten Ansatz dazu liefert der Sammelband Japan and Sherlock Holmes (Baker Street Irregulars 2004), der allerdings in der Hauptsache die Arbeiten japanischer Sherlockianer in englischer Sprache zugänglich macht, von denen sich wiederum nur wenige mit den spezifisch japanischen Aspekten der Holmes-Rezeption beschäftigen.


Z.Zt. nicht lieferbare Ausgabe

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